Komm, tanz mit mir (Part II)



...apropos Verletzungen: ich hatte keine. Nie, nicht einmal, in insgesamt mehr oder weniger 15 Jahren regelmäßigem, teils intensivem Tanztraining. Außer Muskelkater, Blasen an den Füßen und später im Tanzstudium Aufschürfungen von der Bodenarbeit gab es bei mir keine ernsteren Verletzungen.
Auch das rechne ich einem Teil meiner früheren Ausbildung zu, wo ich gelernt habe, was gut für mich ist und was nicht, wie ich meine Gelenke schütze und mich nicht überdehne. Zum Teil ist diese Tatsache aber bestimmt auch dadurch zu erklären, dass jeder Körper anders ist und oft Menschen, die von Natur aus sehr biegsam und flexibel sind, sich schneller verletzen, weil die Bandapparate um die Gelenke "weicher" sind, bzw. schneller nachgeben und unter Umständen das Gelenk z.B. beim Umknicken nicht so gut stützen. Dafür bringt eine stabilere und festere Bänder- und Sehnenstruktur leider auch eine gewisse Steifheit mit sich. Während daher viele Tänzer wunderbar flexibel und super gelenkig sind, also ohne Probleme bequem im Spagat sitzen oder die Beine sehr hoch halten können, hatte ich damit immer Schwierigkeiten und habe verzweifelt versucht, mich zu dehnen und biegsamer zu werden. So hat eben alles seine Vor- und Nachteile! 

Zu der Zeit, als es für mich aufs Abitur zuging, kam natürlich auch die Frage auf, womit es danach weitergehen sollte. Schon einige Schüler meiner Ballettlehrerin hatten nach dem Abitur ein Tanzstudium begonnen, und trotzdem hatte ich nie ernsthaft darüber nachgedacht, diesen Weg zu gehen. Ich war ganz einfach nicht der Meinung, gut genug dafür zu sein und konnte mir darunter auch nicht so recht etwas vorstellen. Also ging ich erst einmal für ein knappes Jahr als Au Pair nach Spanien, wo ich neben meinem Sprachkurs weiterhin regelmäßig in einer Ballettschule trainierte. 
Als sich dann aber kurz nach meiner Rückkehr relativ spontan die Möglichkeit ergab, bei einem Vortanzen der Folkwang Hochschule in Essen teilzunehmen, packten eine Freundin und ich damals kurzerhand die Koffer und fuhren dorthin. 

Die Folkwang Universität der Künste ist weltweit eine der bekanntesten und begehrtesten Hochschulen für Tanz und Theater und wird vor allem mit dem Folkwang Tanzstudio, gegründet 1928 von Kurt Jooss, und später geleitet von Pina Bausch, verbunden. Die Bewerberanzahl für die Studiengänge ist demzufolge sehr hoch. Unser Erfolg war dementsprechend sehr gering :) 

Wie bereits erwähnt war unser Entschluss, uns zu bewerben, sehr spontan, deshalb waren die regulären Auditions, die sich normalerweise über mehrere Tage hinziehen, bereits abgeschlossen. Es gibt aber noch, nur wenige Tage vor dem offiziellen Studienbeginn, ein zweites, eintägiges Vortanzen für Bewerber aus dem Ausland, damit diese, sofern sie angenommen werden, direkt vor Ort bleiben können und nicht noch einmal die Reise nach Hause und zum Semesterbeginn wieder nach Deutschland antreten müssen. 
Kurz gesagt war ich also in einem großen Raum voller bunter Persönlichkeiten und verschiedenster Nationalitäten, semi-gut vorbereitet und komplett unerfahren, während manche der Bewerber schon mehrjährige Tanzerfahrung hatten oder bereits einen Studiengang in klassischem Ballett oder Tanz abgeschlossen hatten. 

to be continued...


(Quelle: http://www.folkwang-uni.de/en/home/hochschule/organisation/folkwang-tanzstudio/
Foto: http://www.ernst-haas.com/celebrity_nycBallet1.html)

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